Die berühmte Telefonkabine auf dem Barfi – Die erste grosse Liebe – Herzschmerz und ganz viele Erkenntnisse

Unter Kult versteht man heutzutage eine ganze Menge. Manches kann man nachvollziehen, manches eher nicht. Für mich beispielsweise war die Telefonkabine auf dem Barfi absolut Kult. Ich verbinde damit viele nostalgische Erinnerungen und einen ganz besonderen Herzschmerz, der sich im Nachhinein als grosses Glück herausstellte. 

Wir treffen uns um 17 Uhr – Bei der Telefonkabine.

Ich ging unweit des Barfis zur Schule. Während mich täglich ein wohlwollender Geschmack von frisch gebackenen Brot aus den vielen Bäckereien, die auf meinem Schulweg lagen begleiteten, war doch zweifellos die berühmt-berüchtigte Telefonkabine auf dem Barfi das wahre Highlight meines Schulwegs. Denn das war der Treffpunkt schlechthin in Basel. Hier hingen die beliebtesten und angesagtesten Teenager, die sogenannten D.C.T.B. (Die Coolen von der Telefonkabine Barfi) ab.

Wie bei den meisten 13-jährigen in Basel und Region drehte sich auch meine Welt um die alterstypischen Probleme, die man in der Pubertät halt so mit sich trägt. Zum Beispiel bekam ich kein cooles BMX-Velo sondern fuhr immer noch mit einem alten uncoolen braunfarbigen Klappvelo, das ich von meinem älteren Bruder übernommen hatte, zur Schule. Durfte mir den Film „Stand by me“ aufgrund von zu vielen Gewaltszenen (laut meinen Eltern) nicht ansehen. Bekam keine lässige Bruce Springsteen Lederjacke und war dazu auch noch hoffnungslos in das beliebteste Mädel aus der ganzen 9b verknallt, die mich nicht mal annähernd beachtete.

Kurz gesagt: “Meine Situation war schwierig bis dramatisch einzustufen. Ich würde wahrscheinlich nie ein „D.C.T.B“ werden“.

Am liebsten wäre ich ganz schnell und ganz weit weg gefahren, aber nicht mal das ging, denn ich hatte ja kein BMX-Velo. Ausserdem musste ich zur Schule.
Der Schulgang gehörte praktisch allein dem Kapitän der 1. Fussballmannschaft aus der 10a.
Er war der Anführer der „D.C.T.B“ und wurde von allen bewundert.
Jeder wollte mit ihm befreundet sein.
Er war gross, sportlich, gutaussehend und hatte sogar eine echte Bruce Springsteen Lederjacke, ein BMX-Velo und kannte alle angesagten Kinofilme auswendig.

Auch die Schule gefiel ihm so gut, dass er die 10 Klasse zweimal besuchte. Später verstand ich erst warum.
Wie es auch nicht anders sein konnte, unterhielt er sich auf dem Gang am liebsten mit dem beliebtesten Mädchen aus der 9b, die auch gleichzeitig die war, in die ich damals bis über beide Ohren verknallt war. Selbstverständlich gehörte auch sie zu den „D.C.T.B“.

Ich nahm mir vor so hart zu arbeiten, damit auch ich irgendwann einmal ein echter „D.C.T.B“ werden würde.
Natürlich war der Weg dahin weit und steinig, aber ich war fest entschlossen und voller Tatendrang.
Ich begann nach der Schule im Geschäft meiner Eltern auszuhelfen und trug zusätzlich noch Zeitungen in ganz Basel und Region aus. Mit 14 hatte ich es geschafft. Durch harte Arbeit besass ich nun genug Geld um mir eine echte Bruce Springsteen Lederjacke und ein BMX-Velo zu kaufen. Das Geld hätte sogar zusätzlich noch für ein Töffli gereicht. Aber nachdem ich nun wusste, was es heisst hart zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen, verzichtete ich auf die Bruce Springsteen Lederjacke und ebenso auf das BMX-Velo und beschloss das Geld dafür lieber auf einem Sparkonto anzulegen.

Auch mit den Mädchen lief es plötzlich besser. Mein Verantwortungsbewusstsein kam anscheinen gut an. Eine liebe und sympathische Klassenkameradin steckte mir im Unterricht ein Zettelchen zu, auf dem stand: „Hast Du Lust auf Kino“? Der Film „Stand by me“ läuft wieder. Wir treffen uns um 17 Uhr an der Telefonkabine am Barfi, wenn du willst.

Heute steht die Telefonkabine im „Historischen Museum Basel“.

Und so kam ich zu meiner ersten Freundin und zu meinem ersten Kuss direkt an der Telefonkabine am Barfi. Ich war nun offiziell ein „D.C.T.B“.

Basel und Region. Danke. Danke. Danke!
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